Nachspielzeit

Der Fußballabend ging in die Verlängerung. Nachspielzeit. Die alten Herren, ein paar Männer über 40, hatten ihre Spielanalysen wiederholt kommentiert, ihren vergebenen Chancen nachgetrauert, einzelne gelungene fußballtechnische Kunststücke ausgebreitet, später dann darüber philosophiert – was wäre gewesen, wenn. So war es dann doch schon nach Mitternacht, angekommen in einer Bar, eigentlich ein Nachtclub, auch Tanz. Zu dritt waren sie noch, ein übriggebliebener Rest analysierender Altherrenfußballer, den Abend ausklingen lassen bei einem letzten kleinen Bier.

Da wird ihm, dem Lehrer unter den Dreien, unerwartet Weißwein serviert – eigentlich Weißwein gespritzt, wie sich später herausstellt. Da steht also auf einmal ein Weißwein gespritzt neben dem kleinen Bier vor ihm, er im Gespräch mit den letzten beiden Kickern, irritiert. Woher das Glas komme, möchte er vom Barkeeper wissen. Und während dieser ausholt für die Erklärung, prostet ihm quer über die Baranlage durch die Nebelschwanden des Nachtclubzigarettenrauchs eine weibliche Schönheit zu. Er erahnt langes Haar auf freien Schultern, freundliches Lächeln, strahlende Augen. Das Prost war kaum hin und her gesendet, da und dort wohl angekommen, schon steht sie da die weibliche Schönheit aus dem Rauch. Steht neben ihm und vor ihm und stößt an mit ihm auf das Wiedersehen. «Schön, dass ich Sie wieder einmal sehe.» Das mit dem Wiedersehen kann er nicht sofort verstehen, sucht nach in seinen Erinnerungen, letzte Schuljahre, Absolventinnen, später einst, und da ist dann doch etwas und beide stellen fest: Sie, die Schwester seiner ehemaligen Schülerin, sie, die große Schwester, die mit ihrer kleinen Schwester am Elternsprechtag zu ihm gekommen war. Und überhaupt, nach so vielen Jahren könne man sich ja doch duzen.

Man stößt auf das Du an, spricht über Jugendsünden und das Erwachsenwerden, über Reifung und Mann und Frau sein. Und sie erwähnt beiläufig, wie reife Männer mit ihrem Haarverlust da und vermehrtem Haarwuchs dort so ihren besonderen Reiz haben. Die beiden Altkicker hatten sich mittlerweile entfernt, die Zeit verstrich, man saß sich plaudernd und lachend gegenüber, spürte sich sanft auf der Tanzfläche, beinahe vorsichtig, so nahe – und dann: «Kannst du mich nach Hause bringen? Es ist schon etwas frisch jetzt draußen.»

Der Abschied im Auto zog sich dann irgendwie. Gesprochen wurde nicht viel – und schließlich dann doch, ob er nicht hinaufkommen wolle. – Ja und nein und doch und lieber nicht, denn vielleicht bereue man es ja schon morgen und es sei ja schon spät geworden.

(Autor männlich, anonym)